Komposte können wesentlichen Beitrag zur Deckung des Humusbilanzdefizits leisten

Die Anwendung von Sekundärrohstoffdüngern (Komposte, Gärprodukte und qualitativ gute Abwasserschlämme) kann einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Humusbilanzdefizits im Freistaat Sachsen leisten. Das ist ein Ergebnis der Humusbilanzrechnung des Freistaats, wie sie von Dr. Rolf Mönicke (Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Leipzig), Dr. Volker Beer und Hans-Joachim Kurzer durchgeführt und auf dem 116. VDLUFA-Kongress im September 2004 präsentiert wurde.

Um einen Überblick über die Humusversorgung auf den Ackerflächen des Freistaates Sachsen zu bekommen, wurde die Humusbilanz rückwirkend für einen Zeitraum von 6 Jahren auf 1.058 Dauertestflächen (DTF) gerechnet. Dauertestflächen sind repräsentativ ausgewählte Praxisflächen bzw. Teilflächen, die seit 1992 in ihrer Nährstoffdynamik messtechnisch erfasst und deren Bewirtschaftungsdaten dokumentiert werden.

Ein ausgeglichener Humushaushalt ist eine Grundvoraussetzung zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Mit Hilfe der Humusbilanz lassen sich die Humusauf- und -abbauprozesse je Schlag indirekt und näherungsweise erfassen. Zur Berechnung der Humusbilanz standen das PC-Programm "REPRO", Version Mai 2004, und der VDLUFA-Standpunkt "Humusbilanzierung" vom 08. April 2004 zur Verfügung.

Im 6-jährigen Mittel wurden folgende Ergebnisse erzielt:

  • Das mittlere Humusbilanzdefizit beträgt für Sachsen 0,11 HE/ha*a. Eine Humuseinheit (HE) entspricht nach dem VDLUFA Konzept zur Humusbilanzierung 2,85 t reproduktionswirksamer organischer Substanz (ROS).
  • Ordnet man die Flächen nach den im VDLUFA Konzept definierten Humusbilanzklassen, ergibt sich folgende Verteilung:

- Klasse A, 21% der Flächen mit stark negativer Humusbilanz,

- Klasse B, 25% der Flächen mit negativer Humusbilanz,
- Klasse C, 38% der Flächen mit ausgeglichener Humusbilanz,
- Klasse D, 13% der Flächen mit positiver Humusbilanz,
- Klasse E, 3% der Flächen mit stark positiver Humusbilanz.


Der hohe Anteil der Bilanzklassen A und B von durchschnittlich 46%, ist ein ernst zu nehmendes Signal in Richtung einer nachhaltigen Verschlechterung der Böden und eine Aufforderung, der Humusbilanzierung mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Die Deckung des mittleren 6-jährigen Humusbruttobedarfs erfolgt im Durchschnitt zu 40% über Strohdüngung, zu 30% über organischen Dünger, zu 10% über Humus mehrende Fruchtfolgeglieder und zu 1% durch Gründüngung. Es bleibt ein Fehlbetrag von 19%.

Da in der Bilanzklasse C ein Humusbilanzdefizit bis -0,13 HE/ha*a toleriert wird, ergibt sich in Sachsen für eine Fläche von 208.304 ha (29 % des Ackerlandes) ein ungedeckter Humusbedarf von 12.897 HE/a.
Die Deckung dieses Fehlbetrages bedarf der gebietsbezogenen Einzelfallklärung. Da eine Änderung der Anbaustruktur und des Tierbesatzes kaum möglich ist, muss nach Ansicht der Referenten nach anderen Wegen der Humusbedarfsdeckung gesucht werden. Die Nutzung von Sekundärrohstoffdüngern, z.B. Komposte, könne hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

Quelle: Tagungsband zum 116. VDLUFA-Kongress vom 13.-17.09.2004 in Rostock, Generalthema: "Qualitätssicherung in landwirtschaftlichen Produktionssystemen", S. 13. (KE)

H&K 04_4_275

Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V.

Von-der-Wettern Str. 25
D-51149 Köln-Gremberghoven

Telefon +49 (0) 22 03 / 358 37 - 0
Telefax +49 (0) 22 03 / 358 37 - 12
E-Mail: info(at)kompost.de